Politik

Samstag, 22. Juli 2006

Dürfen Deutsche Israel kritisieren?

Einen Interessanten Beitrag schrieb Uri Avnery für die Tageszeitung. Er erläutert darin, warum Kritik an Israel kein Tabu sein darf.

Lesenswert ist auch ein aktueller Kommentar von Daniel Bax (ebenfalls in der Tageszeitung), in dem er schreibt:

Doch auch der Versuch [der Presse], beispielhafte Ausgewogenheit zu demonstrieren, wirkt oft etwas bizarr: dann nämlich, wenn die Korrespondenten in Israel nur zu berichten haben, dass sich die Bevölkerung in Bunker zurückziehe und Angst habe - während die Lage im Libanon fast stündlich dramatischer und chaotischer wird. Das Ungleichgewicht des Schreckens zwischen der Militärmacht einer hochgerüsteten High-Tech-Armee, die dabei ist, ein ganzes Land zusammenzubomben, und einer Guerilla-Armee, die mit ihrem Raketen eher ziellos in der Gegend umherzuschießen scheint, ist offensichtlich. Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in der Zahl der Opfer. In Israel starben bisher 35, im Libanon schon 340 Menschen - und Hunderttausende sind dort auf der Flucht.

Wenn jetzt, wie angekündigt, Israel im Südlibanon die Bodenoffensive beginnt, dann wird die Zahl der Opfer im Libanon noch weiter nach oben schnellen. In einem solch asymmetrischen Konflikt gerät eine auf taktvolle Balance bedachte Berichterstattung schnell an ihre Grenzen - ja, sie kann sogar tendenziös wirken, wenn der Eindruck entsteht, ein israelisches Opfer sei so viel Aufmerksamkeit wert wie zehn Libanesen.

Der Tenor mancher Springer-Blätter oder der Zeit, die Israel als das eigentliche Opfer dieses Kriegs inszenieren, tut ein Übriges, um dieses Bild zu verfinstern. Das aber wirft, nicht nur in den Augen der Betroffenen, ein trübes Licht auf die ethischen Maßstäbe des Westens.


Der gesamte Artikel ist hier zu finden. Wo steht die deutsche Presse in dieser Frage?

Donnerstag, 8. Juni 2006

Respekt und Akzeptanz

In der Zeit habe ich einen guten Artikel über Zuwanderung und Integration in Deutschland gefunden. Autor ist der CDU-Politiker und nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet.

Laschet beginnt mit der Frage, ob wir eigentlich "für oder gegen eine multikulturelle Gesellschaft" sind. Doch halt!

Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, sieht tagtäglich, dass viele Kulturen seit Jahrzehnten bei uns leben. Da man im Lateinischen "viele" mit "multi" übersetzt, kann man also getrost von einer multikulturellen Gesellschaft sprechen.

Es geht also nicht darum, ob wir eine multikulturelle Gesellschaft wollen oder nicht, sondern darum zu erkennen, dass die multikulturelle Gesellschaft in Deutschland bereits Realität ist.

Laschet fordert eine gemeinsame Leitkultur. Diese gemeinsame Leitkultur ist nicht mit einer deutsche Leitkultur (oder einer christlichen Leitkultur oder einer muslimischen Leitkultur) zu verwechseln.

Nein, es führt kein Weg vorbei an einer gemeinsamen Leitkultur, in der wir uns auf Grundwerte verständigen, die über das Grundgesetz hinaus Identität schaffen. Das heißt nicht, dass wir über unsere Grundrechte mit Islamisten verhandeln. Das Grundgesetz ist nicht verhandelbar. Doch welche Werte bilden den Kitt unserer Gesellschaft? Wie sollte eine solche Debatte geführt werden, damit sie nicht zerfranst, sondern einen Kanon von Werten schafft, den Deutsche und Zuwanderer akzeptieren?

Laschet betont, dass die gemeinsame Leitkultur eine Sammlung von Grundwerten ist, die alle Seiten akzeptieren müssen. Er verschweigt nicht, dass die Definition dieser Grundwerte diskutiert werden muss. Er fordert aber klare Grundlagen, die nicht diskutiert werden können:
  1. Die Anerkennung des Grundgesetzes.
  2. Das Akzeptieren der in Deutschland gewachsenen Trennung zwischen Staat und Religion.
  3. Das Wachsen der Bereitschaft bei den Deutschen, auf Mitbürger aus anderen Kulturen zuzugehen sowie Interesse für ihre Sitten, Gebräuche und Freizeitgestaltung zu zeigen.
Dabei soll niemand unter diesen Forderungen leiden. Wenn sie richtig umgesetzt werden, dann bedeuten sie maximale Freiheit für den Einzelnen. Die eigene Freiheit hört allerdings da auf, wo sie die Freiheit eines anderen schneidet. Eine funktionierende multikulturelle Gesellschaft bedeutet Vorteile für alle. "Funktionierend" bedeutet hier, dass Distanzen und Vorurteile abgebaut werden. Laschet weist darauf hin, dass es für manche Deutsche manchmal schwer ist, Distanzen und Vorurteile abzubauen.

Denn Respekt und Akzeptanz des Fremden setzten die Wertschätzung des eigenen Ichs voraus. Doch haben wir Deutsche das in ausreichendem Maße? Mein Eindruck ist, dass wir uns wieder klar darüber werden müssen, dass unsere Ansprüche an eine offene Gesellschaft nur Zukunft haben werden, wenn auch die sie formenden kulturellen Überzeugungen in ihnen lebendig bleiben.

Anzumerken ist, dass Laschets Artikel das Problem reduziert und eine ganze Menge an Details verschweigt. Aber er ist eine gute Diskussionsgrundlage. Mir gefällt, dass Laschet an die Menschen im Land appelliert. Weniger ermahnend als vielmehr werbend für die multikulturelle Gesellschaft.

Freitag, 19. Mai 2006

Immigration, Integration und Internationalität

Hier sind Links zu interessanten Berichten über Immigration nach Deutschland zusammengefasst. Die Artikel stammen von der Seite des AiD (Aktueller Informationsdienst zu Fragen der Migration und Integrationsarbeit), der unter anderem vom Bundesamte für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanziert wird. Der AiD gibt vierteljährlich die Zeitschrift "Integration in Deutschland" heraus.

Motto

Kommt daher Ihr Wunsch, dem Augenblick Geltung zu verschaffen?

Das ist kein Vorsatz. So bin ich halt gemacht. Vielleicht ist es eine Art Krankheit, aber ich mag meine Krankheit.

Peter Handke im Interview mit der Zeit

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versucht man schon eine Art Ausgewogenheit - so mindestens...
Gregor Keuschnig - 24. Jul, 16:03

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