Dürfen Deutsche Israel kritisieren?

Einen Interessanten Beitrag schrieb Uri Avnery für die Tageszeitung. Er erläutert darin, warum Kritik an Israel kein Tabu sein darf.

Lesenswert ist auch ein aktueller Kommentar von Daniel Bax (ebenfalls in der Tageszeitung), in dem er schreibt:

Doch auch der Versuch [der Presse], beispielhafte Ausgewogenheit zu demonstrieren, wirkt oft etwas bizarr: dann nämlich, wenn die Korrespondenten in Israel nur zu berichten haben, dass sich die Bevölkerung in Bunker zurückziehe und Angst habe - während die Lage im Libanon fast stündlich dramatischer und chaotischer wird. Das Ungleichgewicht des Schreckens zwischen der Militärmacht einer hochgerüsteten High-Tech-Armee, die dabei ist, ein ganzes Land zusammenzubomben, und einer Guerilla-Armee, die mit ihrem Raketen eher ziellos in der Gegend umherzuschießen scheint, ist offensichtlich. Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in der Zahl der Opfer. In Israel starben bisher 35, im Libanon schon 340 Menschen - und Hunderttausende sind dort auf der Flucht.

Wenn jetzt, wie angekündigt, Israel im Südlibanon die Bodenoffensive beginnt, dann wird die Zahl der Opfer im Libanon noch weiter nach oben schnellen. In einem solch asymmetrischen Konflikt gerät eine auf taktvolle Balance bedachte Berichterstattung schnell an ihre Grenzen - ja, sie kann sogar tendenziös wirken, wenn der Eindruck entsteht, ein israelisches Opfer sei so viel Aufmerksamkeit wert wie zehn Libanesen.

Der Tenor mancher Springer-Blätter oder der Zeit, die Israel als das eigentliche Opfer dieses Kriegs inszenieren, tut ein Übriges, um dieses Bild zu verfinstern. Das aber wirft, nicht nur in den Augen der Betroffenen, ein trübes Licht auf die ethischen Maßstäbe des Westens.


Der gesamte Artikel ist hier zu finden. Wo steht die deutsche Presse in dieser Frage?
Gregor Keuschnig - 24. Jul, 16:03

In den öffentlich-rechtlichen Medien...

versucht man schon eine Art Ausgewogenheit - so mindestens mein Eindruck. In den Bildern gelingt dies nicht immer - die Dramatik bei Angriffen auf israelische Ziele wirkt stärker als im umgekehrten Fall. Das hängt aber wohl damit zusammen, dass im Südlibanon weniger Journalisten unterwegs sind, da es schlicht zu gefährlich ist.

Dennoch ist eindeutig spürbar, dass grosse Teile der (seriösen) Medien im Zeifel eher auf der israelischen Seite stehen. Die Frage nach der Verhältnismässigkeit der Mittel, die m. E. von der israelischen Armee weit überschritten wurde, wird selten gestellt. Die gängige Doktrin, ein Land dürfe sich verteidigen, wird teilweise als eine quasi völkerrechtlich verbindliche Möglichkeit dargestellt (was sie nicht ist).

Viel zu wenig wird reflektiert, dass es seit Monaten immer wieder gezielte und bösartige Provokationen durch die Hisbollah gab - die Weltgemeinschaft hat sich darum kaum gekümmert. Erst die m. E. vollkommen überzogenen Reaktionen Israels rücken das umfassende Problem des Libanon und der Hisbollah als Staat im Staate in den Fokus - zu spät.

Ich glaube, es steht uns noch eine weitere (auch verbale) Eskalation dieses Krieges bevor. Leider gilt Avnery im eigenen Staat als Nestbeschmutzer. .

Motto

Kommt daher Ihr Wunsch, dem Augenblick Geltung zu verschaffen?

Das ist kein Vorsatz. So bin ich halt gemacht. Vielleicht ist es eine Art Krankheit, aber ich mag meine Krankheit.

Peter Handke im Interview mit der Zeit

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